Studieren lohnt!

    Manche angehenden Studierenden erwarten vom Studium, dass es eine Art Berufsausbildung bietet. Das ist so nicht ganz richtig. Vielmehr stellt es nur die Eintrittskarte in die Berufswelt aus.
    Der oder die Studierende erfährt natürlich die theoretischen Grundlagen des Fachgebietes und kann diese in praktischen Arbeiten anwenden. Allerdings liegt der Schwerpunkt des Studiums darin, zu lernen, wie Problemstellungen gelöst werden. Dabei ist der konkrete Anwendungsfall zuweilen von untergeordneter Bedeutung. Ein guter Absolvent oder eine gute Absolventin ist nach dem Studium in der Lage, Problem- und Aufgabenstellungen zu verstehen, Lösungsansätze zu generieren und diese dann in eine Lösung zu überführen. Und genau das macht unsere AbsolventInnen für Unternehmen und Forschungseinrichtungen so wertvoll.

    Selbstverständlich benötigt er oder sie eine gewisse Einarbeitungszeit in das Geschäftsfeld des Unternehmens. Aber das bereits erworbene Wissen kann auf beliebige Gebiete angewendet werden. Vielleicht kann man das Studium am besten mit einer Diamantenmine vergleichen. Die Universität fördert Rohdiamanten, die ihren endgültigen Wert und Schliff erst im späteren Berufsleben, in Forschung oder Unternehmen erhalten. Der Anspruch der Universität besteht folglich darin, möglichst viel und möglichst breites Wissen zu vermitteln. Dies hat auch den Vorteil, dass unsere Alumni nach dem Studium noch kein "Fachidioten" sind. Ihnen stehen viele Wege offen, die sie ganz nach ihren Wünschen beschreiten können - und dies weltweit! Man kann in die Forschung gehen und sich auf seinem Spezialgebiet weiterbilden oder eben auch gleich eine Karriere im Unternehmen anstreben.

    Auch die Unternehmenswahl können die AbsolventInnen nach ihren Bedürfnissen gestalten. Als ElektrotechnikerIn kann man zum Beispiel wählen, ob man kleinste integrierte Schaltkreise entwickeln möchte oder sich doch eher für Windkraftanlagen im Megawatt-Bereich begeistert. Insbesondere die Elektro- und Informationstechnik sind Gebiete mit einer unglaublichen Bandbreite. Denkt zum Beispiel an so verschiedene Felder wie Automobile, Flugzeugtechnik, Medizintechnik, Computer, Überwachung, Energieversorgung usw. Es fällt sicher jedem einzelnen nicht schwer, diese Aufzählung noch zu ergänzen. Und genau diese Vielfalt ist es, die das Elektrotechnikstudium so wertvoll macht.

    Exkurs - Nichtfachliche Ausbildung

    Exkurs: Das Arbeiten in der Praxis erfordert natürlich eine umfangreiche Fachkompetenz. Man arbeitet allerdings selten allein sondern meist in Teams, d.h. man muss mit anderen Leuten kommunizieren und sich anderen Ansichten stellen.

    Nur was tun, wenn der andere mich einfach nicht verstehen will und mir einfach nicht glauben will, dass meine Lösung die viel bessere ist?

    Wer so egoistisch denkt, hat schlechte Karten. Die Fähigkeit, im Team Konflikte zu lösen, dem anderen zuzuhören und versuchen, ihn zu verstehen, ist für die meisten Unternehmen elementar wichtig und ein entscheidendes Einstellungskriterium. Es wird meist in den Mantel der sozialen Kompetenz ("Social skills") eingehüllt.

    Diese Kompetenz ist einem nicht in die Wiege gelegt, man muss sie erlernen und zwar im harten Selbstversuch! Eine Vorlesung ist die dafür denkbar ungeeignetste Unterrichtsmethode. Fazit: Jeder oder jede ist gut beraten, wenn sie oder er während des Studiums ein möglichst breites Wissen erwirbt. Dazu zählen nicht nur soziale Kompetenz sondern auch Grundkenntnisse in:

    • Betriebswirtschaft (Kosten, Prozessläufe, Controlling, Management)
    • Recht (Wer darf was?)
    • Konfliktmanagement (Wie löse ich Probleme?)
    • Verkauf und Marketing (Wie wirke ich auf andere? Warum soll jemand mein Produkt kaufen?)
    • Psychologie (Was will ich? Was wollen die anderen? Was kann ich gut und was nicht?)
    • Philosophie (Der Müller mahlt. Der Maler malt. Sie ma∗en beide?)
    • Pädagogik (Vermitteln von Wissen, Erklären von Sachverhalten, Aufgaben verständlich und angemessen ausformulieren)
    • Führung und Führungsstiele (Verantwortung übernehmen, Aufgaben delegieren, mit Mitarbeitern zusammenarbeiten, Wer will eigentlich was?)
    • u.v.m.

    Mit solchen Zusatzqualifikationen sind Alumni besser in der Lage, Verständnis für die Probleme und Lösungen anderer Fachrichtungen zu zeigen und durch den Blick aus verschiedenen Blickrichtungen viel mehr Dinge zu sehen und bessere Lösungen zu erreichen. Auch der Careers Service und die Weiterbildung der Universität bieten dazu eine Vielzahl von Veranstaltungen an.